Musik-Akademie Basel

Chorsingen via zoom mit dem Chorteam mit Regina Hui, Maria Laschinger, Beat Vögele und Christa Andres

Die ältesten vier Jugendchöre erhalten Zoom-Unterricht. Dazu müssen wir von jedem Stück, das wir proben wollen, eine Aufnahme von allen Stimmen machen. So können wir Einzelstimmen-Übtracks zur Verfügung stellen und versuchen mit den Tutti-Tracks den Singenden in der Zoom-Session das Gefühl zu vermitteln, im Chor zusammen mit anderen zu singen.

Die Sache mit der Übertragungs-Verzögerung
Zoom lässt nämlich wegen der Übertragungs-Verzögerungen nicht zu, dass man gemeinsam singt. Ein paar lustige Momente und Experimente lang singen wir in jeder Probe gemeinsam mit offenen Mikrofonen, aber grundsätzlich müssen sich alle auf stumm stellen; nur die Chorleitenden sind laut, proben, singen vor und lassen die Aufnahmen abspielen. Die Chorsänger*innen sitzen zu Hause vor dem Bildschirm und singen ihre Stimme mit. Im besten Falle haben sie das Gefühl, dass sie «im Chor» singen.

Online-Singen ist eine schlechte Alternative
Für uns alle wird schnell klar: Online zusammen singen ist keine wahre Alternative! Es ist besser, als sich gar nicht zu sehen, und zeitweilig auch lustig, und wir finden immer mehr heraus, was besser funktioniert über Zoom: es sind alle visuellen Aspekte, nicht die musikalischen.

Herausforderung Technik
Das Aneignen diverser technischer Fertigkeiten muss im Eiltempo und mit einer Dringlichkeit geschehen, die kein Scheitern zu lässt. Wenn etwas nicht geht (und es geht eigentlich ständig irgendetwas nicht) habe ich nur eine Möglichkeit: eine Lösung finden! Oft genug zermürbend, aber auch immer von Erfolgserlebnissen gekrönt. So haben wir alle technisch einen riesen Sprung gemacht und uns intensiv weitergebildet auf diesem Gebiet. Ganz klar wurde aber für uns alle, dass wir unsere Leidenschaft für (Chor)Gesang schnellstmöglich wieder in den Vordergrund stellen möchten. Die Musik ist nämlich bei all der intensiven Beschäftigung mit der Technik eher in den Hintergrund geraten.

Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist immens, wenn man sich täglich stundenlang auf Audio und Video aufnimmt. Die eigenen Unzulänglichkeiten offenbaren sich; der Perfektionismus, die Selbstzweifel; alles musst du hinter dir lassen, um dann eine Aufnahme abschicken oder verwenden zu können.

"First Take"-Strategie
Schnell habe ich für mich die Strategie des «First-Take» entwickelt: Ich nehme grad den ersten Versuch auf, und nur wenn ein ganz grober Fehler passiert, nehme ich das Stück nochmals auf. Sonst wäre ich mit dem Zeit-Management gar nicht klar gekommen.

So viel produzieren und meine Arbeit erledigen konnte ich auch nur, weil wir für einen Monat eine Chorsängerin als Kinder-Hüterin angestellt haben. Herzlichen Dank, liebe Viola! So waren die Kinder jeden Morgen gut betreut, und mein Partner und ich konnten uns der Arbeit widmen und uns die Nachmittage mit den Kindern aufteilen.

Nun haben wir glücklicherweise wieder mit Präsenzunterricht beginnen können und unterrichten «Chor» in Kleinstgruppen. Die ganze Chorschule von über 250 Singenden in Vierer-Gruppen und gerecht auf die zur Verfügung stehenden Chorgefässe zu verteilen und die Kleinstgruppen zu unterrichten war und ist die nächste grosse Aufgabe für unseren CHORona-Unterricht.

Wir hoffen sehr, schon bald wieder in ganzer Chorstärke zusammen singen zu können! Denn das gemeinsame, verbundene und verbindende Singen ist doch der Kern des Chorsingens. Wir vermissen es alle sehr!

Maria Laschinger, 14.5.2020